Sonntag, 26. April 2020

Das Trauerspiel um die Coronavirus-App zeigt, wie sehr die Snowden-Desinformation bis heute wirkt

Die russischen Geheimdienste waren schon immer ein Meister der Desinformation. Zu Zeiten des Kalten Kriegs hoffte man damit diesen zu gewinnen und den Kommunismus über die ganze Welt auszubreiten, heute dient es eher pragmatischen machtpolitischen Interessen und um von eigenem Versagen und Problemen abzulenken. Das unmittelbare Ziel war aber immer das Gleiche: Das Vertrauen der westlichen Bevölkerung in demokratische Institutionen zu zerstören.

In jüngster Vergangenheit hat man das gesehen z. B. zum russischen Überfall auf die Ukraine (“Eure Regierungen haben Russland betrogen und ausgetrickst!” und “sie machen außerdem doch das Gleiche!”), während der Flüchtlingskrise (“Eure Regierungen haben nichts unter Kontrolle!”), im letzten U.S.-Präsidentschaftswahlkamp ("Euer Establishment lügt und betrügt euch!"), und -- was viele leider bis heute immer noch nicht verstanden haben -- eine Aspekt der Snowden-”Affäre” ist, dass sie auch eine leider sehr erfolgreiche russische Desinformationskampagne war und ist. “Ihr werdet alle überwacht!" war die Lüge, an die bis heute viele glauben. 

Und jetzt die Kehrtwende der Bundesregierung zur Coronavirus-App. Bisher sah ich sie auf einem guten Weg mit dem zentralen Ansatz, denn nur so kann man schnell und effektiv Infektionsketten nachgehen sowie die Einhaltung von Ausgangsbeschränkungen und Quarantänen überwachen. Jetzt will sie offensichtlich doch dezentral. Begründung: Bedenken wegen möglichem Missbrauch und möglicher Überwachung. Argh!

Jetzt mal ernsthaft: Wir reden über Pandemien wie Corana, die alle paar Jahrzehnte auftreten, und da wäre die App einen kurzen Zeitraum von einigen Wochen, vielleicht wenigen Monate, verpflichtend (für diejenigen, die weitgehende Bewegungsfreiheit behalten wollen). Danach kann sie deinstalliert werden, und die Bundesregierung wäre verpflichtet die Server vom Netz zu nehmen, um auch von denjenigen keine Daten mehr empfangen zu können, die das Deinstallieren versäumen. Also ehrlich, wir leben derzeit in einem weitgehenden Shutdown, ich darf keine Verwandten oder Freunde mehr besuchen, bin zu Home Office gezwungen, muss Reisen absagen, viele fürchten um ihren Job, Unternehmen ums Überleben -- und all dies könnte mit einer gut geplanten und durchgesetzten App weitgehend gelindert werden. Aber nein, für uns Deutschen trumpft dagegen eine hypothetische, eingebildete Massenüberwachung. Snowden’s Desinformation hat gewonnen. Es ist zum Heulen. 

Der dezentrale Ansatz hat nicht die Spur einer Aussicht auf Erfolg. Eine Totgeburt. Wen es interessiert, hier hatte ich einen erfolgversprechenden Ansatz skizziert:


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